Herbstlied
(c) Thomas Hocke
Der Wind trieb die ersten Blätter von den Bäumen herab, leuchtend gelb und flammenrot, ließ sie tanzen über die hellen Plätze und Straßen, einen Tango, einen Walzer, einen Reigen.
„Dein Haar leuchtet wie die Sonne.“
„Und deine Augen wie das Meer.“
Sie lachten, küssten sich übermütig und liefen durch die Stadt, über Plätze, entlang bunter Alleen, blieben stehen vor einem blinden Straßenmusikanten. Er lächelte, nahm sein Akkordeon und spielte für sie einen Tango, einen Walzer, einen Reigen.
Später saßen sie in einem kleinen Café, tranken Cappuccino und konnten ihre Blicke nicht voneinander lassen.
„Du hast einen weißen Schnurrbart.“
„Und du hast ein kleines Fältchen auf der Stirn, wenn du angestrengt schaust.“
„Verrate es niemandem.“
„Niemals.“
Es wurde Abend und die Sterne funkelten über dem Wasser des Flusses, als sie durch den Park gingen und die gefallenen Blätter raschelten laut unter ihren Füßen.
„Hörst du die Blätter seufzen?“
„Sie sind stark und fester als im Sommer, warten darauf, neues Leben zu werden.“
„Die haben es gut.“
